All-on-4 Methode / Kosten, Arten, Vor- & Nachteile

Autor: Maximilian Waizmann - Experte Zahnzusatzversicherung

Maximilian Waizmann | Versicherungsfachmann BWV

zuletzt aktualisiert am 25.07.2021

Bei einem zahnlosen Kiefer ist ein neues Gebiss oft eine besonders langwierige aber auch schmerzhafte Behandlung. Die moderne All-on-4 Methode verspricht jedoch einen komplett neuen Zahnersatz an nur einem Tag. Wenn man an die herkömmlichen Behandlungsmethoden bei Zahnprothesen denkt, fragt man sich automatisch: ist das überhaupt möglich?

In unserem ausführlichen Ratgeber erfahren Sie, was es mit dieser Methode auf sich hat und mit welchen Kosten Sie rechnen müssen. Darüber hinaus informieren wir Sie über die genaue Behandlung und welche Vor- und Nachteile die All-on-4-Methode mit sich bringt.

Modell der All-on-4 Methode

 

1. Was ist die All-on-4 Methode?

„All-on-4“ ist ein innovatives Konzept der Firma Nobel Biocare - auf 4 Implantaten werden sofort während nur einer einzigen Sitzung feste Zähne befestigt.

Viele Zahnärzte arbeiten bereits erfolgreich mit dieser Methode. Möglich machen das speziell entwickelte Implantate, die in jeder Knochenstruktur eine hohe Stabilität gewähren.

Die optimale Vorbereitung der notwendigen Operation ist hierbei sehr entscheidend. Mit dreidimensionalen Röntgenbildern und sehr kleinen Schnitten hält man die Belastung für den Körper so gering wie möglich.

Noch am selben Tag wird Ihnen eine provisorische Brücke eingesetzt, mit der Sie schon am Abend weiche Mahlzeiten vorsichtig essen können. Nach ca. drei bis sechs Monaten erhalten Sie dann Ihre endgültig neuen Zähne eingesetzt.

Im Vergleich zu handelsüblichen Zahnbrücken bei zahnlosem Kiefer sind hierbei nur jeweils vier Implantate, statt der acht im Oberkiefer und sechs im Unterkiefer nötig. Somit werden auch die Kosten im Vergleich erheblich gesenkt.

All-on-4 Methode - Infografik
Die All-on-4 Methode - schöne Zähne an einem Tag (Klick für Großansicht)

 

2.1. Was kostet die All-on-4 Methode?

Wie hoch der Preis dieser modernen All-on-4 Methode tatsächlich ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Entscheidend ist:
  • Wie hoch ist der Preis für die Implantate?
  • Welches Material für die Brücke gewählt wird.
  • Wie hoch die Material- und Laborkosten sind!


Je nach Material und Honorar des Zahnarztes liegen die Gesamtkosten bei etwa 8.000 € bis 16.000 € pro Kiefer.

Wem eine Zahnersatz-Behandlung mit All-on-4 in Deutschland zu teuer ist, kann über eine Behandlung im Ausland nachdenken. Die Kosten in osteuropäischen Ländern wie Ungarn oder Polen sind deutlich günstiger, also bei ca. 4.000 € bis 8.000 € je Kiefer.

2.2. Was leistet die gesetzliche Krankenkasse bei All-on-4 Implantaten?

Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich grundsätzlich nicht an den Zahnimplantaten bei „All-on-4“, sondern gewähren lediglich einen Zuschuss für den fertigen Zahnersatz.

Welche Zuschüsse die Krankenkasse zahlt, richtet sich nach dem individuellen zahnmedizinischen Befund, der den Zustand des gesamten Gebisses berücksichtigt. Dabei wird jedem Befund eine „ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Regelversorgung hinterlegt, für die ein jährlich angepasster Betrag ausgewiesen wird, der sogenannte Festzuschuss.

Dieser Festzuschuss deckt 60% bis 75% der Durchschnittskosten der Regelversorgung ab und gilt unabhängig davon, bei welcher gesetzlichen Krankenkasse Sie versichert sind. Ihr Eigenanteil für den fertigen Zahnersatz bleibt also gleich, egal ob Sie bei der AOK, Barmer, DAK, Techniker oder einer anderen gesetzlichen Krankenkasse versichert sind.

Festzuschüsse - All-on-4 im Oberkiefer:

60%
Regelsatz

70%
5 Jahre Bonusheft

75%
10 Jahre Bonusheft

Härtefall
bei geringem Einkommen

max.
473,39€

max.
552,29 €

max.
591,74 €

max.
788,98 €

Festzuschüsse - All-on-4 Unterkiefer:

60%
Regelsatz

70%
5 Jahre Bonusheft

75%
10 Jahre Bonusheft

Härtefall
bei geringem Einkommen

max.
507,62€

max.
592,23 €

max.
634,53 €

max.
846,04 €

Wichtig!

Die gesetzliche Kasse übernimmt nicht (!) pauschal 60% - 75% der wirklich entstehenden Kosten – die anteilige Kostenübernahme kann in den meisten Fällen deutlich niedriger ausfallen, weil im Regelfall nicht nur die günstige Regelversorgung mit Nichtedelmetall durchgeführt wird, sondern hochwertigere Materialien verwendet werden.

Mithilfe eines Bonusheftes ist es möglich, den Festzuschuss auf 70% (5 Jahre lückenlos) bzw. 75% (10 Jahre lückenlos) zu erhöhen.

Für Patienten mit geringem Einkommen gibt es eine Härtefallregelung: Sie erhalten einen erhöhten (Grund-) Festzuschuss, mindestens aber die Kosten für die Regelversorgung.

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2.3. Wie hoch ist der Eigenanteil bei der All-on-4 Methode?

Nehmen wir an, der Betrag für die All-on-4 Lösung beläuft sich inklusive Material- und Laborkosten und dem Zahnarzthonorar auf 12.000 € für einen zahnlosen Oberkiefer. (ungefähre Durchschnittskosten).

Im geringsten Fall erhalten Sie einen Festzuschuss von 473,39 €. (max. 591,74 bei 75%)

Ihr Eigenanteil liegt somit bei 11.526,61 €

Infografik Eigenanteil für ein All-on-4 Implantat
Der Eigenanteil für ein Implantat nach All-on-4 Methode ist nicht unerheblich, wie unser Beispiel zeigt!

2.4. Welche Kosten übernimmt eine Zahnzusatzversicherung?

Die moderne All-on-4 Methode zählt beim Thema Zahnersatz nicht zur Standardversorgung und liegt preislich gesehen eher im oberen Bereich. Allerdings ist sie eine sehr gute Alternative zur herkömmlichen Zahnprothese. Wer sich diese Art von Zahnersatz aber leisten möchte, muss oft tief in die eigene Tasche greifen oder eine lang dauernde Ratenzahlung in Kauf nehmen.

Um dem vorzubeugen, empfiehlt sich eine frühzeitige Absicherung durch eine Zahnzusatzversicherung.

Je nach Bedarf, übernimmt die Zahnzusatzversicherung bis zu 100% der Kosten. Selbstverständlich gibt es je nach Situation auch günstigere Angebote mit niedrigeren Leistungen.

 

 

 

Maximilian Waizmann
Experten-Tipp

» Implantate nach der All-on-4 Methode können sehr teuer werden. Am besten schließen Sie rechtzeitig eine gute Zahnzusatzversicherung ab, um diese Kosten abzusichern.

Welche Zahnversicherung für Sie am besten geeignet ist und zudem Ihre Wünsche berücksichtigt, lässt sich im Rahmen eines Beratungsgesprächs feststellen!

Wir helfen Ihnen gerne, den zu Ihnen passenden Zahnzusatz-Tarif zu finden. Rufen Sie uns gerne unter 08142 651 39 28 an und lassen Sie sich kostenlos beraten

M. Waizmann

 

 

 

 

 

3. Behandlungsablauf bei der All-on-4 Methode

3.1. Wann macht die All-on-4 Methode sinn?

Die All-on-4 Methode kommt für Sie in Frage, wenn Sie einen zahnlosen Kiefer haben, oder Ihre noch vorhanden Zähne entfernt werden müssen und Sie sich einen festsitzenden Zahnersatz wünschen.

Auch wenn Sie mit Ihrer herausnehmbaren Zahnprothese nicht zurecht kommen, oder gesundheitliche Probleme die Folge sind, macht eine Überlegung für die All-on-4 Methode Sinn.

Zum Vergleich: Für eine festsitzende Brücke mussten bisher mindestens acht Implantate im Oberkiefer und sechs Implantate im Unterkiefer gesetzt werden, um einen starken Halt zu gewährleisten.

Da Zahnimplantate sehr teuer sind, fallen die Kosten bei All-on-4 zwar höher aus als bei einer herausnehmbaren Prothese, im Gegensatz zu einer festsitzenden Brücke mit nur vier Implantaten sind die Kosten aber deutlich geringer.

Der große Vorteil bei All-on-4 ist: die Methode eignet sich fast für Jeden!

Durch die spezielle Methode wird weniger Knochensubstanz für die Implantate benötigt. Somit können auch Patienten mit einem geringen Knochenangebot die All-on-4 Methode wählen.

3.2. Vorbereitung der Behandlung

Im ersten Schritt findet ein ausführliches Beratungsgespräch mit Ihrem Zahnarzt statt. Eine ehrliche Risiko-Nutzen-Abschätzung sollte Teil dieses Gesprächs sein. Entscheiden Sie sich dann für die All-on-4 Methode, wird ein Termin für die Operation festgelegt.

Mit dreidimensionalen Röntgenbildern (3D-Röntgen) wird die genaue anatomische Struktur Ihres Kiefers analysiert.

Durch die präzise Vorbereitung wird die optimale Position der Implantate ermittelt und es sind während der Operation nur kleine Schnitte notwendig.

3.3. Ablauf der Operation

Schritt 1: Narkose

Damit die OP völlig schmerzfrei abläuft, findet die Behandlung meist unter Vollnarkose statt. Auch eine Analogsedierung (Dämmerschlaf) mit Betäubung ist in einzelnen Fällen möglich.

Welche Wahl getroffen wird, hängt von Ihren Gesundheitsverhältnissen ab. Ihr Zahnarzt sollte Sie über die Möglichkeiten aufklären.

Schritt 2: Entfernung noch vorhandener Zähne

Noch vorhandene, zumeist schadhafte Zähne werden entfernt. Der Kiefer wird so vorbereitet, dass die Implantate auf die gleiche Höhe gesetzt werden können.

Schritt 3: Implantate setzen

In den Kiefer werden nun vier Implantate einsetzt, die später 12 künstliche Zähne tragen werden.

Das Besondere: die beiden hinteren Implantate werden schräg gesetzt, damit die Kieferhöhle und Nervenausgänge geschont werden.

Im Anschluss werden diese mit bis zu 30 Grad abgewinkelten Ausgleichsstellen versehen. Diese Technik erzeugt eine sehr hohe Stabilität der später eingesetzten Brücke.

Schritt 4: Einsetzen der Brücke

Eine provisorische Brücke wird drei Stunden nach dem Eingriff auf den Kiefer geschient. Schon im Anschluss ist bereits der stabile Sitz zu bemerken und am Abend sollte weiche Kost bereits essbar sein.

3.4. All-on-4 Folgebehandlung

Nach der Operation können Blutergüsse und Schwellungen auftreten. Das ist in der ersten Woche normal, kühlen Sie die betroffenen Stellen mit Coolpacks.

Nach sieben Tagen werden die Fäden entfernt und bereits nach drei Wochen wird die Brücke das erste mal vom Zahnarzt zur Reinigung abgenommen.

Ihre endgültige Versorgung mit neuen Zähne erhalten Sie nach ca. drei Monaten, sobald die Einheilzeit abgeschlossen ist. Der fertige Zahnersatz sieht nach unserer Erfahrung so natürlich aus, dass er nicht als solcher zu erkennen ist.

Ab diesem Zeitpunkt suchen Sie Ihren Zahnarzt drei mal im Jahr in der Praxis auf, damit die komplette Brücke abgenommen und gereinigt werden kann. So kann ein langer Halt garantiert werden.

4. Vorteile, Nachteile & Risiken der All-on-4 Methode

Vorteile

✅ Festsitzender Zahnersatz an nur einem Tag

✅ Auch bei schlechter Knochenstruktur möglich

✅ Weniger Zahnimplantate als bei festsitzender Brücke

✅ Sehr stabiler Halt

✅ Ähneln echten Zähnen sehr stark

Mögliche Nachteile

❌ Sehr frühe Belastung der Implantate kann zu Verlust der Implantate führen

❌ Schwierigkeiten bei der Selbstreinigung

❌ Chirurgischer Eingriff ist notwendig

Risiken All-on-4 Methode

All-on-4 birgt auch Risiken. Nach dem Eingriff kann es zu Schmerzen, Schwellungen und Infektionen kommen. Grundsätzlich sind die Risiken aber deutlich geringer als bei herkömmlichen Implantaten, da die Behandlung schneller abgeschlossen werden kann.

Bei einer nicht ausreichenden Mundhygiene kann diese Methode schnell kontraproduktiv werden, sollten sich Bakterien und Entzündungen bilden. In diesem Fall sollten Sie dringend Ihren Zahnarzt aufsuchen.

Die Erfahrungsberichte der Patienten, die bereits mit All-on-4 behandelt wurden, waren durchweg positiv. Negative Erfahrungen konnten wir bisher noch nicht finden. Das einzige Risiko, das man ab und an liest, ist die sehr frühe Belastung der Implantate. Diese werden sofort noch der Behandlung mit der Prothese versehen und zur Belastung ausgesetzt. Ob das aber zu einer kürzeren Lebensdauer der Implantate führt ist noch nicht erwiesen.

Fazit

All-on-4 ist die modernste Möglichkeit einen komplett festsitzenden Zahnersatz zu bekommen. Weniger Implantate als bei einer kompletten Brücke machen sie zu einer kostengünstigeren Variante und sie ist weniger aufwendig. Das größte Pro ist eindeutig die schnelle Behandlung.

Eine teilweise herausnehmbare Zahnprothese (Teleskopprothese, Stegprothese) mit Implantaten kann eine gute Alternative sein, da sie ebenfalls einen festen Halt bietet und einfacher zu reinigen ist.

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