Unisex-Tarife in der Zahnzusatzversicherung

2011-03-23 18:57

Der Europäische Gerichtshof hat entschieden: Bis Ende 2012 sind alle Versicherungsunternehmen - auch für Zahnzusatzversicherungen - verpflichtet Unisex-Tarife anzubieten

Zahnzusatzversicherung Unisex Tarife gleiche Beiträge Männer und Frauen
Unisex-Tarife für Zahnversicherungen

Die Anti-Diskriminierungsgegner haben gewonnen. Vor wenigen Tagen, im März 2011 hat hat der europäische Gerichtshof endgültig beschlossen, dass Versicherungsgesellschaften in Zukunft dazu verpflichtet sind, in allen Versicherungssparten sogenannte "Unisex-Tarife" anzubieten, d.h. das Geschlecht einer Person darf künftig bei der Beitragsberechnung keine Rolle mehr spielen.  

Kurzum: Männer und Frauen sollen künftig für alle Versicherungen ein und denselben Beitrag bezahlen müssen. Keines der beiden Geschlechter soll besser oder schlechter gestellt bzw. diskriminiert werden. Das gilt sowohl für die KFZ-Versicherung, Rentenversicherungsverträge und eben auch für die Sparte Zahnzusatzversicherungen.

Was sich auf den ersten Blick gut anhört, wird voraussichtlich weitreichende Folgen nach sich ziehen. 

Die Frage ist, ob derartige "Gleichmacherei" wirklich "gerecht" ist oder ob eine Differenzierung nach Geschlecht nicht am Ende für Alle sinnvoller wäre.

Junge Frauen beispielsweise verursachen im Straßenverkehr wesentlich weniger Unfälle als junge Männer und bezahlen daher sinnvollerweise auch günstigere Versicherungsbeiträge in der KFZ-Versicherung. Die Forderung nach gleichen Versicherungsbeiträgen klingt hier fast schon absurd, weil dieser geschlechter-technische Unterschied eindeutig statistisch belegbar ist.

Durch die Einführung von Unisex-Tarifen werden die Beiträge für junge Frauen voraussichtlich ansteigen, obwohl diese eigentlich nur für einen kleinen Anteil der geltend gemachten Schäden verantwortlich sind.

In der privaten Krankenversicherung bezahlen Frauen tendenziell über alle Sparten hinweg etwas höhere Beiträge als Männer.  

Was sich zunächst ungerecht anhört, hat vielerlei Gründe:

- Frauen leben statistisch betrachtet einige Jahre länger als Männer, d.h. es müssen höhere Altersrückstellungen gebildet werden

- Frauen können Kinder bekommen und verursachen dadurch während Schwangerschaft und Geburt Kosten, die bei Männern nicht anfallen

- Frauen gehen durchschnittlich häufiger zum Arzt (z.B. Gesundheitsreport TKK Berlin von 2008, Frauen in Berlin gingen im Jahr 2006 im Schnitt 2,9 mal zum Arzt, Männer nur zwei mal)

- Frauen nehmen wesentlich mehr Vorsorgeuntersuchungen wahr als Männer, auch beim Zahnarzt


Was passiert nun, wenn die Versicherungsgesellschaften Einheitstarife für Männer und Frauen konzipieren?

Zunächst einmal werden die beiden Risikogruppen in einen Topf geworfen und das Geschlecht als Faktor wird komplett herausgenommen. Man versucht also ein Gesamtrisiko zu berechnen.

Rein vom Risiko her betrachtet, müssten die Beiträge für Frauen tendenziell etwas sinken und die Beiträge für Männer müssten tendenziell etwas steigen um das höhere Risiko der Frauen mit aufzufangen.

Die Unisex-Tarife werden sich allerdings auch auf das Abschlussverhalten von Männern und Frauen auswirken: 

Für Männer - die ja wie wir festgestellt haben eigentlich ein geringeres Risiko für die Versicherungen darstellen - werden die Zahnzusatzversicherungen etwas unattraktiver, weil teurer. Ein gewisser Anteil der Männer wird aufgrund der nun höheren Preise möglicherweise davon Abstand nehmen eine Zahnzusatzversicherung abzuschließen, insbesondere die Männer, die noch sehr gute Zähne haben und wo nicht unbedingt absehbar ist, dass sie die Leistungen der Zahnversicherung in den nächsten Jahren benötigen werden.

Für Frauen andererseits wird der Abschluss einer Zahnersatzversicherung möglicherweise attraktiver, da sie nun geringere Beiträge bezahlen müssen, als ihr eigentliches statistisches Risiko ergeben würde.

Zukünftig werden sich also tendenziell eher mehr Frauen und weniger Männer für den Abschluss einer Zahnzustazversicherung entschließen, was zu einem noch stärkeren Ungleichgewicht bei der Geschlechterverteilung führen könnte (mehr "teure" Frauen, weniger "günstige" Männer), was sich dann letztendlich für alle Versicherten in Form von Beitragssteigerungen auswirken wird.

Diese möglichen Folgen werden die Versicherungsunternehmen vermutlich auch schon bei der nun anstehenden Neukalkulation ihrer Tarife bis Ende 2012 einkalkulieren. 

Wie stark diese Effekte letztlich auftreten, wird man abwarten müssen.

Unser Rat: Männern, die an den Abschluss einer Zahnzusatzversicherung denken, kann man empfehlen, diesen Abschluss möglichst noch vor Einführung der Unisex-Tarife zu tätigen. Für Frauen werden die (positiven) Auswirkungen wie erläutert, vermutlich kaum merklich sein.

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