Zahnzusatzversicherung Beitragserhöhung

Zahnzusatzversicherung Beitragserhöhung

Autor: Maximilian Waizmann - Experte Zahnzusatzversicherung

Maximilian Waizmann | Versicherungsfachmann BWV

Zahnzusatzversicherung Beitragserhöhung

Momentan erhalten viele Versicherungsnehmer unangenehme Post von ihrer Versicherungsgesellschaft – im November verschicken viele Gesellschaften die Beitragserhöhung für die Zahnzusatzversicherung. Die Höhe von Beitragsanpassungen bei der Zahnzusatzversicherung ist sehr unterschiedlich – manche Anbieter passen nur moderat an, andere müssen stärker erhöhen. Wir liefern einen Überblick über aktuelle Tariferhöhungen und erläutern, warum es überhaupt zu einer Beitragserhöhung kommen kann.

 

Beitragserhöhung bei der Zahnzusatzversicherung – warum eigentlich

Bei einer Zahnzusatzversicherung übernimmt die Versicherungsgesellschaft ein Leistungsversprechen üblicherweise in einer bestimmten tariflich festgelegten prozentualen Höhe. Wenn ein Tarif beispielsweise 90% für Implantate erstattet, dann muss die Versicherung diese Kosten heute wie auch in Zukunft tragen können. 

Um eine Zahnzusatzversicherung zu kalkulieren, kann eine Versicherung verschiedene Daten heranziehen, die auf Erfahrungswerten und Statistiken beruhen. Relevant ist beispielsweise, was Implantate im Schnitt kosten und wie häufig Menschen verschiedener Altersklassen Implantate benötigen. Nehmen wir an, heute kostet ein Implantat im Schnitt z.B. 2.000 Euro – dann kalkuliert die Versicherung die Beiträge der Zahnzusatzversicherung so hoch, dass diese Kosten entsprechend z.B. zu 90% getragen werden können, wenn z.B. jeder Erwachsene im Schnitt alle 8 Jahre ein Implantat benötigt.

Wenn nun im Laufe der Zeit die durchschnittlichen Kosten eines Implantates auf beispielsweise 2.500 Euro steigen, z.B. weil das Material inflationsbedingt teurer wird oder weil sich die  durchschnittliche Höhe von zahnärztlichen Honoraren nach GOZ erhöhen, dann muss die Versicherung den dafür eingeplanten Kostenblock um 25% erhöhen, was zu einer Beitragserhöhung für alle in diesem Tarif versicherten führt.

Das ist zwar ärgerlich, jedoch nicht zu vermeiden – im Umkehrschluss würde auch niemand tolerieren, wenn die Versicherung die vertraglich festgelegte Leistung einfach kürzen oder streichen würde, wie es z.B. bei der gesetzlichen Krankenkasse möglich ist, wenn die Kosten im Gesundheitswesen zu stark steigen (Stichwort „Gesundheitsreform“). Beitragsanpassungen bei Zahnzusatzversicherungen sind also leider ein notwendiges übel, um sicherzustellen, dass die Leistungen auch in Zukunft in voller Höhe erbracht werden können.

Zahnzusatzversicherung nach Beitragserhöhung kündigen

Nach einer Beitragserhöhung haben Sie natürlich ein Sonderkündigungsrecht – dieses Kündigungsrecht ist im Versicherungsvertragsgesetz unter § 205 Absatz 4 geregelt:  

(4) Erhöht der Versicherer auf Grund einer Anpassungsklausel die Prämie oder vermindert er die Leistung, kann der Versicherungsnehmer hinsichtlich der betroffenen versicherten Person innerhalb von zwei Monaten nach Zugang der Änderungsmitteilung mit Wirkung für den Zeitpunkt kündigen, zu dem die Prämienerhöhung oder die Leistungsminderung wirksam werden soll.

Sie können also innerhalb von zwei Monaten nach Erhalt des Briefes über die Tariferhöhung kündigen. Wenn Sie die Zahnzusatzversicherung nach einer Beitragserhöhung kündigen und zu einem anderen Anbieter wechseln möchten, dann sollten Sie einiges beachten – dabei kann man allerhand falsch machen und sich womöglich selbst schaden – informieren Sie sich bei uns:

Zahnzusatzversicherung Wechseln – darauf sollten Sie achten

Übersicht: Zahnzusatzversicherung Beitragserhöhungen 2016 / 2017

Derzeit sind uns Beitragserhöhungen bei folgenden Versicherungsgesellschaften im Bereich Zahnzusatzversicherung bekannt:

AXA Dent Premium – Beitragserhöhung ca. 10-35%

Die AXA muss ihre Beiträge im Dent-Premium bzw. AXA Dent Premium U zum 1. Januar 2017 teilweise exorbitant erhöhen. Im Schnitt beträgt die Anpassung rund 15%. Die Altersklassen zwischen 41 und 50 Jahren sind nicht besonders stark betroffen, nur etwa 10%. Die Altersklassen ab 51 Jahren sind etwas stärker betroffen, aber hier ist die Anpassung noch zu verkraften. Die Altersklasse der 21 bis 40jährigen trifft es recht heftig – hier erhöht sich der Beitrag im Neugeschäft von 21,02 Euro auf 28,35 Euro, was rund 35% Beitragserhöhung entspricht. Im Altbestand fallen die Anpassungen teilweise noch stärker aus. 

Doppelt „gebeutelt“ werden Versicherte, die einerseits einen „Alterssprung“ haben (z.B. bei Erreichen des 41. Lebensjahres) und zusätzlich von der kalkulatorischen Beitragsanpassung (BAP) betroffen sind – da kann die Erhöhung in Einzelfällen sogar über 60% ausmachen!

Continentale – CEZP-U – Beitragserhöhung ca. 15%

Die Continentale wird den Tarif CEZP-U um ca. 15% erhöhen, nachdem die Beiträge letztes Jahr leicht gesenkt werden konnten. Genaue Zahlen liegen uns zum derzeitigen Zeitpunkt leider noch nicht vor. Im Marktvergleich ist die Continentale damit allerdings immer noch als sehr günstig einzustufen.

Münchener Verein – Deutsche Zahnversicherung – ca. 5% Erhöhung

Der Münchener Verein bietet ein modulares Baukasten-System an – zur Verfügung stehen zwei Zahnersatz-Bausteine 570 (75%) sowie 571 (90%) - diese bleiben zum Jahreswechsel stabil, genauso wie der Baustein 574 (Zahnprophylaxe). Angepasst werden die Bausteine für Füllungen & Inlays (572) sowie Wurzel- und Parodontose-Behandlung (573). Für Versicherte, die den Premium-Schutz 571+572+573+574 gewählt haben ergibt sich bei Erwachsenen im Schnitt eine Beitragsanpassung von rund 5%. Diese Beitrags-Anpassung bei der Zahnzusatzversicherung Münchener Verein ist als eher moderat einzustufen.

R+V Premium Z1U – Beitragsanpassung rund 7%

Die R+V musste den Zahnersatz-Tarif Premium Z1 bzw. den Unisex-Nachfolger Z1U in den vergangenen Jahren mehrfach stark anpassen – zum Jahreswechsel steht eine erneute Anpassung an, die insofern vergleichsweise moderat ausfällt (zumindest verglichen mit den Beitragserhöhungen der Vorjahre). Im Schnitt werden die Beiträge für Erwachsene um ca. 7% erhöht.

INTER QualimedZ Z90 + Zpro – starke Senkung & moderate Erhöhungen

Die Inter muss die Beiträge lediglich in den Altersklassen ab dem 45. Lebensjahr erhöhen – für die Altersklasse der 45 bis 64jährigen steigen die Beiträge in der Tarifkombination Inter Z90 + Zpro nur sehr moderat um ca. 3% - in der Altersklasse 65 und höher ist das Plus mit rund 10% ein wenig stärker, aber auch noch verkraftbar. In der Altersklasse der Personen zwischen 21 und 44 Jahre sinken die Beiträge recht deutlich um fast 20%.

Advigon / CSS Zahnzusatzversicherung – Beiträge bleiben stabil

Die Tarife der Advigon / ehemalige CSS Versicherung bleiben zum Jahreswechsel erfreulicherweise stabil, nachdem die Beiträge in den vergangenen Jahren (2010 bis 2014) teilweise mehrfach hintereinander massiv erhöht worden sind.


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