Zahnzusatzversicherung - Dentolo faircare Sofort

2018-06-14 16:51

Seit kurzem gibt es eine neue Zahnzusatzversicherung, die ähnlich wie ERGO Direkt ZEZ damit wirbt, auch für laufende Behandlungen zu leisten. Der Dentolo faircare Sofort bzw. Akutschutz verspricht für alle geplanten und laufenden Behandlungen ein Sofortbudget bis zu 2.000 Euro. Doch lohnt sich das wirklich? Wir empfehlen, genau hinzuschauen.

Update:

Mit Schreiben vom 24.9. haben wir ein Schreiben von dentolo mit einer Stellungnahme erhalten - ich habe einige Passagen unseres Blogbeitrages ergänzt - Sie erkennen die Ergänzungen jeweils an dem fett markierten Wort "Update" vor den einzelnen Passagen in denen ich auf die Stellungnahme eingehe.

 

Dentolo - Einfach alles fair - oder nicht?

„Die Zahnzusatzversicherung mit 100% Erstattung - Sofort. Sorgenfrei.Einfach Fair.“ So wird man auf der Internetseite von dentolo empfangen - doch wenn man sich die Versicherungsbedingungen und Details anschaut, kommt man aus meiner Sicht zwangsläufig zu der Erkenntnis, dass das Produkt alles andere als „fair“ gestaltet ist.

Dentolo faircare - noch nie gehört? Ich auch nicht. Wollen wir zunächst mal schauen, wer oder was sich dahinter verbirgt. Die Dentolo Deutschland GmbH ist bei der IHK Berlin als „Versicherungsvertreter“ registriert, d.h. es werden Produkte in Ausschließlichkeit für eine bestimmte Versicherungsgesellschaft vertrieben. Doch wer ist der Risikoträger hinter dem Konzept? Ganz offensichtlich ist das nicht - dafür muss man sich online schon erstmal etwas einlesen, dann findet man heraus, dass hinter der Zahnzusatzversicherung von dentolo ein ausländischer Versicherer namens „AMTRUST INTERNATIONAL UNDERWRITERS DAC“ steht, der seinen Hauptsitz in Dublin / Irland hat. Das bleibt zunächst mal jedem selbst überlassen, ob er das als positiv oder negativ werten möchte.

Update: mit Schreiben vom 24.9.2018 haben sich die Verantwortlichen von dentolo schriftlich mit einer Stellungnahme an mich gewandt und darauf hingewiesen, dass es sich bei AMTRUST International Underwriters DAC um einen renommierten Versicherer mit Ursprung in den USA handelt und dass man auch überall "transparent" auf den Risikoträger hinweist.

Natürlich kommt dentolo den gesetzlichen Pflichten nach und weist z.B. in den Bedingungen, im Impressum, etc. - überall dort wo es notwendig ist - darauf hin, dass es sich um diesen Versicherer handelt. Doch "transparent" ist das aus meiner Sicht nicht, denn man sieht es eben nicht auf den ersten Blick, wenn man sich mit der Website und dem Produkt beschäftigt. Und wie ich schon geschrieben habe - das muss auch gar nicht positiv oder negativ gesehen werden, es ist einfach eine Feststellung, dass es sich eben nicht um einen deutschen Risikoträger handelt, den man kennt, sondern eben um ein ausländisches Unternehmen, das den meisten Deutschen vom Namen her eher nichts sagen dürfte.

 

Dentolo Sofortschutz - Versicherungsbedingungen im Detail

Doch konzentrieren wir uns auf die Produktdetails und Bedingungen. Beim Studium der Versicherungsbedingungen ist mir direkt ein Punkt ins Auge gesprungen:

In den Versicherungsbedingungen für dentolo faircare Sofort ist geregelt, dass für den Versicherungsvertrag das Recht der Bundesrepublik Deutschland Anwendung findet, was ja grundsätzlich positiv ist.

Unter 4.2. steht bei dentolo in den AVB: „Das Versicherungsverhältnis wird auf unbestimmte Zeit geschlossen. Die Mindestvertragsdauer beträgt 36 Monate ab Versicherungsbeginn“. Hmm, komisch, war da nicht vor einigen Jahren mal eine VVG-Reform in Deutschland, mit der die Mindestvertragslaufzeit für derartige Verträge auf 2 Jahre begrenzt wurde? Ja, eigentlich schon - kann man auch nachlesen unter: https://www.gesetze-im-internet.de/vvg_2008/__11.html.

Mit dem deutschen Recht scheint man es dann wohl doch nicht ganz so genau zu nehmen?!

Update: mit Schreiben vom 24.9.2018 haben sich die Verantwortlichen von dentolo schriftlich mit einer Stellungnahme an mich gewandt und bemängelt, dass mein Blog-Post zum Produkt "dentolo faircare akutschutz" teilweise falsche Aussagen beinhaltet.

So wird zum Thema Mindestvertragslaufzeit seitens dentolo darauf hingewiesen, dass die Rechtskonformität der Versicherungsbedingungen durch zwei unabhängige Rechtsanwaltskanzleien bestätigt wurde. Nach Ansicht von dentolo findet §11 (4) VVG Anwendung, der durchaus die Vereinbarung längerer Laufzeiten vorsieht.

Meiner Ansicht nach eine Fehleinschätzung!

Der §11 (4) VVG bezieht sich nur auf Verträge mit einer von vornherein vereinbarten festen Laufzeit - für Verträge, die hingegen auf unbestimmte Zeit geschlossen worden sind, gilt §11 (2), der da lautet:

(2) Ist ein Versicherungsverhältnis auf unbestimmte Zeit eingegangen, kann es von beiden Vertragsparteien nur für den Schluss der laufenden Versicherungsperiode gekündigt werden. Auf das Kündigungsrecht können sie einvernehmlich bis zur Dauer von zwei Jahren verzichten.

Demnach darf für solche Verträge eben eine Mindestvertragslaufzeit von maximal 2 Jahren vereinbart werden! Und dass die Verträge von dentolo auf "unbestimmte Zeit" geschlossen werden, ist m.E. unstrittig. Unter § 4.2 der AVB heißt es:

4.2 Mindestvertragsdauer

Das Versicherungsverhältnis wird auf unbestimmte Zeit geschlossen. Die Mindestvertragsdauer beträgt 36 Monate ab Versicherungsbeginn.

Ungünstig, wenn ein solcher Fauxpas sogar zwei unabhängigen Rechtsanwaltskanzleien nicht auffällt. 

 

Die Leistungen und das feste Budget

Egal, das Produkt dentolo faircare Sofort verspricht 100% Leistung für Zahnreinigung, Zahnersatz und Zahnerhalt und vor allem erhält man Leistung gemäß Werbung auch für alle vor Vertragsabschluss angeratenen oder geplanten Behandlungen bis zu 2.000 Euro. Klingt toll, oder?

Liest man das in den Bedingungen nach, so stimmt das grundsätzlich auch - es ist zwar etwas verklausuliert, erst werden unter 7.1. Risikoausschlüsse diverse Leistungsausschlüsse aufgezählt, um dann im letzten Aufzählungspunkt darauf hinzuweisen, dass speziell in diesem Tarif alle laufenden angeratenen oder begonnenen Maßnahmen doch nicht ausgeschlossen sind.

Update: mit Schreiben vom 24.9.2018 haben sich die Verantwortlichen von dentolo schriftlich mit einer Stellungnahme an mich gewandt mitgeteilt, dass sie meine Kritik aufgenommen haben und diese Punkte in den AVB verständlicher formuliert haben.

Ungünstigerweise hat man offenbar darauf verzichtet, diese "besser verständlichen Versicherungsbedingungen" auch zu veröffentlichen - auf der Website von dentolo findet man bis Stand 5.10.2018 noch die ursprüngliche Version 1-2018, wo alles beim alten ist. Eine aktuellere Version konnte ich daher leider bislang nicht begutachten.

 

 

Dentolo Zahnzusatzversicherung Sofort - rechnet sich das?

Doch die Frage ist, ob sich das ganze auch rechnet und wirklich „fair“ ist. Die Leistungen sind wie bei anderen Angeboten auch während der ersten Jahre eingeschränkt. In den ersten 12 Monaten erhält der Versicherte maximal 2.000 Euro, während der ersten 24 Monate insgesamt maximal 2.250 Euro, während der ersten 36 Monate (die ja auch Mindestvertragsdauer sind!) maximal 2.500 Euro, während der ersten 48 Monate maximal 3.000 Euro. 

Das hört sich zwar viel an - allerdings ist der monatliche Beitrag mit pauschal 69,90 Euro auch sehr hoch - Rechnet man die Beiträge hoch, die während der 3jährigen Mindestvertragsdauer zu zahlen sind, dann muss man sich wirklich fragen, ob das „fair“ ist. In diesem Zeitraum zahlt man schon 2.516,40 Euro an Beiträgen ein, kann im Gegenzug jedoch maximal 2.500 Euro an Leistung beziehen.

Bleibt man der Zahnzusatzversicherung dentolo faircare danach noch ein weiteres Jahr treu, wird es sogar noch schlimmer - für die ersten 48 Monate werden Beiträge in Höhe von 3355,20 Euro fällig, während man in diesem Zeitraum insgesamt maximal 3.000 Euro an Leistung bezieht.

Update: mit Schreiben vom 24.9.2018 haben sich die Verantwortlichen von dentolo schriftlich mit einer Stellungnahme an mich gewandt mitgeteilt, dass man neue Versicherungsbedingungen veröffentlicht hätte, in denen man "klargestellt" hätte, dass zusätzlich zu diesem "festen" Budget auch noch Prophylaxe-Leistungen von bis zu 140 Euro pro Jahr (2 x 70 Euro) in Anspruch genommen werden können.

Wie schon beim vorangegangenen Punkt angemerkt, sind bis Stand heute - 5.10.2018 - noch die ursprünglichen AVB mit Gültigkeitsstand 1-2018 online, in denen es klar und deutlich heißt:

 

6.4 Festes Budget

Die Leistungen für ambulante zahnärztliche Leistungen gemäß Ziffer 6.3 sind begrenzt. Das feste Budget ist eine absolute Leistungsbegrenzung (Summenbegrenzung) für die Leistung des Versicherers und beträgt

• vom 1. bis einschließlich 12. Monat ab Versicherungsbeginn 2.000.- EUR;

• vom 1. bis einschließlich 24. Monat ab Versicherungsbeginn 2.250.- EUR;

• vom 1. bis einschließlich 36. Monat ab Versicherungsbeginn 2.500.- EUR;

• vom 1. bis einschließlich 48. Monat ab Versicherungsbeginn 3.000.- EUR;

• ab dem 49. Monat ab Versicherungsbeginn 6.000.- EUR.

 

Und der Punkt 6.3. beinhaltet wiederum klar und deutlich unter 6.3.1 den Unterpunkt "Als Zahnprophylaxe gelten".

Sollto dentolo diesen Punkt in Zukunft ändern, kann man zumindest über die Inanspruchnahme der Prophylaxe innerhalb der ersten Jahre nach Abschluss von der Versicherung profitieren, wenn auch in nur relativ geringem Maße.

 

 

Ist doch fair, oder nicht?

Ob die Versicherung so fair ist, wie sie sich präsentiert - da darf sich jetzt jeder seinen Teil denken! Anfangs sind die Leistungen stark begrenzt und auch nach den ersten 4 Jahren gibt es je Versicherungsfall ein festes Budget (also auch keine unbegrenzte Leistung). Vergisst man bei größeren Behandlungen (z.B. Behandlungskosten über 1000 Euro, Implantatbehandlungen) vorab einen Kostenplan inkl. Kostenvoranschlag vom zahntechnischen Labor einzureichen, wird die Leistung um 1/3 gekürzt. Insgesamt muss man sagen, dass die AVB sehr schwer zu lesen sind - selbst für mich als Experten. Ein Laie hat hier sicherlich Probleme, alles zu verstehen und in manchen Punkten (siehe z.B. Mindestlaufzeit) sind offenbar nicht einmal Rechtsanwälte sicher, was jetzt Sache ist. 

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