„Einen Zahn zulegen“ - Finanztest untersucht 189 Zahnzusatzversicherungen

„Einen Zahn zulegen“ - Finanztest untersucht 189 Zahnzusatzversicherungen

Autor: Maximilian Waizmann - Experte Zahnzusatzversicherung

Maximilian Waizmann | Versicherungsfachmann BWV

Zahnzusatzversicherung Finanztest 08 – 2014 – 55 Tarife „Sehr Gut“

Stiftung Warentest Cover 2014

Waren es im Jahr 2010 gerade mal 83 Tarife, die Stiftung Warentest in Ihrem Zahnzusatzversicherung Test bewertete, so hat sich die Zahl seitdem mehr als verdoppelt. In der aktuellen Untersuchung von Juli 2014 (August-Ausgabe!) wurden insgesamt 189 unterschiedliche Tarife getestet, davon wurde fast ein Drittel (55 Tarife) mit dem Prädikat „Sehr Gut“ ausgezeichnet.

Vergleicht man die Untersuchung aus 2014 mit dem letzten Test aus dem Jahr 2012, so wird allerdings schnell deutlich: viel hat sich nicht geändert. Die Testkriterien der Stiftung Warentest sind offenbar noch in etwa dieselben wie vor 2 Jahren, so wurden praktisch alle Tarife, die es schon seit 2012 gibt, mit demselben Testurteil ausgezeichnet. In der Zwischenzeit sind lediglich einige Anbieter nachgezogen und haben neue Tarife auf den Markt gebracht, beispielsweise der Münchener Verein 571+572+573+574 oder die Debeka (Tarif EZ70Plus).

Auszug Testergebnisse Finanztest Zahnzusatzversicherung August 2014 – jeweils die 10 besten Tarife:

Zahnzusatzversicherung nach Art der Schadenversicherung

DFV - Zahnschutz Exklusiv sehr gut (0,5)
DFV - ZahnSchutzbrief Premium sehr gut (1,0)
Ergo Direkt - ZAB+ZAE+ZBB sehr gut (1,0)
Ergo Direkt - ZAB+ZAE+ZBB+ZBE sehr gut (1,0)
Münchener Verein - 571+572+573+574 sehr gut (1,0)
Münchener Verein - 571+572+574 sehr gut (1,0)
Neckermann - ZAB+ZAE+ZBB sehr gut (1,0)
Neckermann - ZAB+ZAE+ZBB+ZBE sehr gut (1,0)
Stuttgarter - ZahnPremium sehr gut (1,1)
Axa - Dent Premium-U sehr gut (1,2)

Zahnzusatzversicherung nach Art der Lebensversicherung

Allianz - ZahnBest sehr gut (1,1)
Allianz - ZahnBest+ZahnFit sehr gut (1,1)
Central - VitaZ1 sehr gut (1,1)
Debeka - EZ70plus sehr gut (1,1)
Deutscher Ring - ZahnTop sehr gut (1,1)
HanseMerkur - EZ+EZT sehr gut (1,1)
HanseMerkur - EZ+EZT+EZP sehr gut (1,1)
LVM - Dental-Plus sehr gut (1,1)
R+V - Zahn Premium sehr gut (1,1)
R+V - Zahn Premium+ZV sehr gut (1,1)

So viel kann man nun wohl also nicht mehr falsch machen, wenn man eine Zahnzusatzversicherung abschließen will – möchte man zumindest meinen, wenn man die Testergebnisse von Finanztest zugrunde legt.

Weit gefehlt, meinen wir von Zahnzusatzversicherung-Experten.de, denn:

Einerseits kritisieren wir schon seit Jahren, dass Stiftung Warentest die Bewertungskriterien falsch gewichtet:

Regelversorgung 10%
Privatversorgung ohne Inlays & Implantate 40%
Inlays 25%
Implantate 15%
Jährliche Obergrenzen 10%

Der Bereich Regelversorgung ist unserer Ansicht nach komplett zu vernachlässigen, denn derjenige der eine gute Zahnzusatzversicherung abschließen möchte, legt ja eben gerade Wert darauf, die beste Zahnersatzversorgung durchführen zu lassen und eben nicht die Regelversorgung.

Der Bereich Implantate ist mit 15% absolut untergewichtet, wenn man berücksichtigt, dass gerade Implantate die teuerste Art Zahnersatz darstellt. Verbraucherschützer und auch Stiftung Warentest predigen ja immer wieder, dass man vordergründig existentielle Risiken absichern soll, d.h. also die Leistungsfälle, die richtig ins Geld gehen können. Ich habe noch nie eine Zahnersatz-Rechnung von 10.000 oder 20.000 Euro gesehen, wo Implantate keine Rolle gespielt haben! Gerade der teuerste Bereich wird von Stiftung Warentest fast mit dem – relativ unnötigen Punkt Regelversorgung gleichgesetzt. Das ist fachlich einfach nicht sinnvoll.

Ebenfalls ist der Bereich „jährliche Obergrenzen“ mit nur 10% Berücksichtigung vollkommen am praktischen Bedarf vorbei – wir merken das immer wieder in der täglichen Beratungspraxis, dass den meisten Interessenten insbesondere auch die Leistungen der ersten Jahre sehr wichtig sind.

Auf der anderen Seite bewertet die Stiftung Warentest – auch nach 5 Jahren Testpraxis – ausschließlich das Thema Zahnersatz. Das ist sicherlich das wichtigste an einem Zahntarif, dass die Leistungen für Kronen, Brücken oder Implantate gut sind. Allerdings bieten sehr viele Tarife auch Leistungen für Prophylaxe und Zahnerhaltung an, beispielsweise für Füllungen, Wurzel- oder Parodontalbehandlungen. Zahnärzte plädieren generell immer eher für Zahnerhalt statt Zahnersatz – und auch derartige Maßnahmen können ins Geld gehen. Eine Wurzelbehandlung kann beispielsweise – Zitat Stiftung Warentest (!!!) - zwischen 200 und 1000 Euro kosten, sofern die GKV dafür nicht aufkommt. Ein hochwertiges Inlay oder eine Krone kostet nach Stiftung Warentest nur rund 600 bzw. 540 Euro. Da fragt man sich schon, warum die Stiftung Warentest auch im Jahr 2014 nicht von ihren starren und falschen Testkriterien abrückt, und auch das Thema Zahnerhaltung in die Ergebnisse einfließen lässt?!

Aufgrund dieser falschen Gewichtungen und Abwägungen werden unserer Ansicht nach viele Anbieter „zu gut“ bewertet, weil sie in erster Linie günstige Standardfälle gut abdecken.

Defizite haben viele lt. Stiftung Warentest „sehr gute“ Tarife vor allem bei den anfänglichen Leistungsbegrenzungen, beim Thema Zahnerhaltung oder bei teuren Implantatversorgungen, beispielsweise wenn Höchstgrenzen dafür bestehen oder Materialpreisverzeichnisse eine höhere Kostenerstattung verhindern.

Also gilt nach wie vor:

Gehen Sie bitte nicht nur nach den Stiftung Warentest-Noten, nach dem Motto „bei einem mit 1,0 bewerteten Tarif kann ich schon nichts verkehrt machen“. Doch, doch – das kann man – leider. Denn jeder hat andere Vorstellungen, welche Leistungen ihm wichtig sind. Und nicht jeder hat einen astreinen Gebisszustand, so dass auch aufgrund unterschiedlicher Annahmerichtlinien bestimmte Tarife wegfallen oder individuell schlechter sein können.

Unsere Empfehlung: Lassen Sie sich von Profis beraten, die Ihnen auch die Unterschiede zwischen einem 1,0 und einem 1,1 bewerteten Tarif erklären und eine geeignete Empfehlung abgeben können! Rufen Sie uns am besten gleich an unter 08142 651 39 28 oder führen Sie einen Online-Vergleich bei uns durch.


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