Zahnzusatzversicherung Vergleich - Faktor Nachhaltigkeit

2010-12-12 13:30

Warum es auch bei einer Zahnzusatzversicherung zu Beitragsanpassungen kommen kann und worauf man beim Zahnzusatzversicherung Vergleich achten sollte, damit die Beiträge langfristig stabil bleiben.

Vielen Endverbrauchern ist beim Vergleich einer Zahnzusatzversicherung zunächst gar nicht wirklich bewusst, dass der Preisvergleich zunächst nur eine Momentaufnahme darstellt. Im Klartext bedeutet das: Die Beiträge, die sie heute bei Zahnzusatzversicherungen vergleichen, können sich - auch für Bestandskunden - später noch ändern.
 
Zunächst möchte ich gerne erläutern, warum und wieso es bei Zahnzusatzversicherungen überhaupt zu Änderungen bei den Beiträgen kommen kann. Dazu muss man verstehen, wie eine Versicherung überhaupt grundsätzlich funktioniert:
 
Eine Versicherung ist im Prinzip nichts anderes als ein Zusammenschluss einzelner Personen zu einem Versicherungskollektiv mit dem Ziel, das Risiko eines Schadens auf viele Schultern zu verteilen, so dass letzlich nicht der einzelne das finanzielle Risiko eines Schadens trägt, sondern die Versichertengemeinschaft.
 
Bei einer Zahnzusatzversicherung bedeutet das konkret: wenn einer der vielen Versicherten einen größeren Bedarf an Zahnersatz hat, dann bekommt er diesen zum Großteil von der Versicherung erstattet. Dieses System wird von allen Versicherten gleichermaßen finanziert, egal ob jemand gute oder schlechte Zähne hat.
 
Das Problem an der Sache ist nun, dass auch eine Versicherungsgesellschaft nicht genau in die Zukunft blicken kann, um schon vorher zu wissen, wie viele Zahnschäden später in einem Versicherungskollektiv auftreten. Natürlich sind die Zahnversicherungen bestrebt, risikogerecht zu kalkulieren und es werden Statistiken und Prognosen herangezogen um von vornherein ausreichende Beiträge zu kalkulieren.
 
Nichtsdestotrotz kann es passieren, dass eine Versicherung feststellt, dass sich die Zahl oder die Höhe der Zahnschäden mit der Zeit deutlich erhöht und die ursprünglich kalkulierten Beiträge nicht mehr ausreichen, um die Ansprüche aller Versicherten voll zu erfüllen.
 
Da im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung bei privaten Zahnzusatzversicherungen keine Leistungen gekürzt werden können, ist die einzige Möglichkeit der Versicherungsgesellschaften, die Beiträge dem gestiegenen Bedarf der Versicherten anzupassen. Eine solche Anpassung erfolgt niemals willkürlich, sondern wird streng von einem sog. "Treuhänder" (welcher von einer Aufsichtsinstanz bestellt ist und nicht von der Versicherung selbst bezahlt wird) überwacht.
 
Gewisse Beitragssteigerungen in Höhe von einigen Prozent alle paar Jahre sind grundsätzlich als "normal" zu bezeichnen, da sich erfahrungsgemäß im Laufe vieler Jahre die Kosten im Bereich der Zahnmedizin und Zahntechnik erhöhen, zum einen durch allgemeine Umstände wie z.B. ständig steigende Energiekosten (die ja auch den Zahnarzt oder ein Zahnlabor betreffen) und zum anderen auch durch zahnmedizinischen Fortschritt (man denke nur daran, dass Implantate vor 20-30 Jahren kaum ein Thema waren, heute sind IMplantate in der modernen Zahnmedizin kaum mehr wegzudenken).
 
Die jüngere Vergangenheit hat allerdings verdeutlicht, dass nicht nur allgemeine Kostensteigerungen zu Beitragserhöhungen führen können, sondern auch andere Umstände. Die Barmenia beispielsweise musste ihre Zahnzusatzversicherung Barmenia ZG (welcher von der Stiftung Warentest mehrfach als Testsieger ausgezeichnet wurde) drei Jahre hintereinander sehr stark erhöhen, weil die eingereichten Schäden von Jahr zu Jahr höher geworden sind. Auch die ARAG musste ihren Zahntarif Z-100 im April 2010 um rund 20% erhöhen, genauso wie die CSS Versicherung ihren Tarif CSS Flexi zwei mal hintereinander um 10 bzw. 20% erhöht hat.
 
Das sind prozentual durchaus sehr starke Steigerungen, mit denen kaum jemand gerechnet hatte, weder Vermittler noch Kunden. Die Frage ist natürlich, wie kommt es zu derart hohen Beitragserhöhungen?
 
Wenn man die genannten Versicherungstarife genauer betrachtet, haben sie alle eines gemeinsam:
 
Die Leistungen dieser drei Zahnzusatzversicherungen sind - insbesondere im Bereich Zahnersatz - sehr hochwertig, so leistet die ARAG 80%, die Barmenia 85% und die CSS sogar bis zu 90% auch für hochwertigen Zahnersatz. 
Und im Gegensatz zu anderen Anbietern können die Leistungen in diesen Zahnzusatzversicherungen schon nach kürzester Zeit in hohem Umfang ausgeschöpft werden können, so verzichten die Barmenia und die CSS schon direkt nach Ablauf der 8-monatigen Wartezeit auf anfängliche Summenbegrenzungen. Bei der ARAG bestehen immerhin zwei Jahre Begrenzung (im 1. Jahr maximal 500 Euro, im 2. Jahr maximal 1000 Euro, ab dem 3. Jahr unbegrenzter Leistungsanspruch).
 
Im Nachhinein muss man leider ganz klar feststellen, dass viele Versicherte versucht haben, dieses "System" zu ihren eigenen Gunsten auszunutzen. Der ursprüngliche Versicherungsgedanke geht ja grundsätzlich dahin, dass sich ein Mensch zu Zeiten "guter Zahngesundheit" versichert und erst einmal einige Jahre Beiträge einbezahlt, um sich für spätere "überraschend" auftretende Schäden, abzusichern.
 
Das Problem darin besteht natürlich darin, dass "Schäden" bei einer Zahnzusatzversicherung im Regelfall nicht "urplötzlich" auftreten (wie beispielsweise bei einer Unfall- oder Haftpflichtversicherung), sondern dass diese "Schäden" für den einzelnen Versicherten bereits einige Zeit vorher "absehbar" sind.
 
Wenn also ein Versicherter zum Zeitpunkt des Abschlusses bereits einige ältere Zahnersatzversorgungen hat - die noch voll intakt sind - dann weiß zumindest er selbst, dass diese vermutlich nicht mehr all zu lange halten und irgendwann erneuerungsbedürftig sind.
 
Die vorher beschriebenen fehlenden Summenstaffeln der CSS und der Barmenia bzw. die nur sehr kurze Staffelung der ARAG haben offenbar viele solcher Versicherungskunden "angezogen".
 
Wer sich also selbst vor derart starken Beitragserhöhungen schützen möchte, sollte also beim Zahnzusatzversicherung Vergleich darauf achten, eine Zahnzusatzversicherung abzuschließen, die in den ersten 3, 4 oder 5 Jahren Einschränkungen bzgl. der maximalen Zahnersatzleistungen hat. Das ist zwar zunächst etwas negativ für den eigenen Leistungsanspruch, wird sich aber nach meiner Einschätzung dauerhaft auf die Stabilität einer Zahnzusatzversicherung merklich auswirken.
 
Menschen mit eher schlechten Zähnen, die schon in Kürze mit einer größeren Behandlung rechnen, werden von solchen anfänglichen Summenstaffelungen nach meiner Erfahrung eher abgeschreckt und belasten dann später nicht die Beiträge derjenigen mit eher guten Zähnen. Nur so kann ein "gesundes" Versicherungskollektiv in der Zahnzusatzversicherung entstehen.

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2020-01-09 16:35

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